ALL MY LOVING


Regie: Edward Berger
Darsteller: Lars Eidinger, Nele Mueller-Stöfen, Hans Löw

116 Minuten | Deutschland 2019 | ab 12
4. Woche
Drei entfremdete Geschwister sind an einem Punkt angelangt, an dem sie schnell etwas verändern müssen, bevor die zweite Hälfte ihres Lebens beginnt. Zwischen Unzulänglichkeiten und Verlusten suchen sie nach einem Weg, auf dem vielleicht das Glück liegt... Exzellent besetzter Episodenfilm über Zwischen- und Allzu-Menschliches von Edward Berger!

 

Weil sein Gehör nachlässt, verliert Stefan (Lars Eidinger) seinen identitätsstiftenden Job als Pilot. Doch der Playboy will das nicht wahrhaben. Er hängt weiter an seinem alten Leben, streift in Pilotenuniform durch Berliner Bars, um Frauen kennenzulernen, während die Beziehung zu seiner getrennt lebenden Tochter Vicky (Matilda Berger) brach liegt. Stefans Schwester Julia (Nele Mueller-Stöfen) und ihr Mann Christian (Godehard Giese) leiden derweil am drei Jahre zurück liegenden Tod ihres Sohns. Ein Italienurlaub soll Entspannung bringen, doch als Julia ihre komplette Aufmerksamkeit einem verletzten Straßenhund zukommen lässt, stößt das Christian vor den Kopf. Tobias (Hans Löw), der jüngere Bruder von Stefan und Julia, schreibt derweil noch mit Ende 30 an seiner Diplomarbeit und schmeißt den Haushalt mit drei kleinen Kindern, während seine Frau Maren (Franziska Hartmann) die Finanzen stemmt. Und da er von allen Geschwistern wohl am meisten Zeit hat, soll er sich um die pflegebedürftigen, ziemlich widerspenstigen Eltern (Manfred Zapatka, Christine Schorn) kümmern... 2014 erntete Regisseur und Autor Edward Berger mit JACK zu Recht viele Lorbeeren. Aktuell läuft die Vorproduktion zum Hollywoodfilm RIO, doch davor hat Berger noch das deutsche Familiendrama ALL MY LOVING gedreht, das im Panorama der 69. Berlinale zu sehen war. Berger inszeniert den Episodenfilm mit Lars Eidinger (25 KM/H), Nele Mueller-Stöfen (FAMILIENFEST) und Hans Löw (IN MY ROOM) als drei voneinander entfremdete Geschwister, die jeweils in einer verfahrenen Lebenssituation stecken, ohne forcierte Zuspitzungen – und erzeugt eine intensive Wirkung. Die sorgfältig arrangierten Aufnahmen und der strikte erzählerische Aufbau schaffen zwar eine gewisse Distanz zu den Charakteren, zugleich wirken die Porträts mit ihrer Nähe zum Alltäglichen aber authentisch. Und bei allem Verdruss der Figuren gibt es auch Momente zarter Komik. Bergers unaufgeregte und punktgenaue Inszenierung unterstreicht erneut sein Talent für die Darstellung zwischenmenschlicher Nöte und sein hervorragendes Händchen für die passende Besetzung!



Friedrichsbau Freiburg
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