FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE


Regie: Dominik Graf
Darsteller: Tom Schilling, Albert Schuch, Saski Rosendahl

178 Minuten | Deutschland 2021 | ab 12
8. Woche
 Die Geschichte eines Moralisten, der auf den Sieg der Anständigen wartet –  an den er selbst nicht mehr glaubt… Dominik Grafs faszinierende Adaption von Erich Kästners 1931 erschienenem Berlin-Roman – ein meisterhaftes Sittengemälde der Weimarer Republik, mit Tom Schilling in der Hauptrolle, der den „Helden auf verlorenem Posten“ mit beeindruckender Präsenz verkörpert!

 

Berlin brodelt. Kriegstraumata, Arbeitslosigkeit, Depression, Vergnügungssucht und Sehnsucht nach Liebe. Jakob Fabian (Tom Schilling) arbeitet eher erfolglos in der Werbeabteilung eines Zigarettenherstellers. Der Germanist will eigentlich Schriftsteller werden. Stattdessen schreibt er Zigarettenreklame. Nicht zuletzt deshalb hadert er mit sich selbst. Seine Nächte sind chaotisch. Und spucken ihn am Morgen vor seinem Zimmer in der Schaperstraße aus. Eines Nachts trifft er die selbstbewusste Cornelia von Battenberg (Saskia Rosendahl): „Ich bin 25 Jahre alt, und von zwei Männern wurde ich stehen gelassen. Stehengelassen wie ein Schirm, den man absichtlich irgendwo vergisst“, gesteht sie ihm. „Stört Sie meine Offenheit?“, will die junge Frau wissen. Für Fabian die Liebes seines Lebens…

Dem „Völkischen Beobachter“ galt Erich Kästners „Fabian“ als „Sudelroman“. Als die Bücher brannten auf dem Berliner Opernplatz, brannte „Fabian“ ganz oben auf. Im Mittelpunkt von Grafs engagierter Romanverfilmung steht „dennoch“, wie Titelheld Fabian es wohl betrachten würde, die großartige Liebesgeschichte zwischen ihm und Cornelia. Gemeinsam mit ihr und seinem wohlhabenden Freund Labude (Albrecht Schuch) stürzen sich die drei in die letzten Jahre der Weimarer Republik. Der gebürtige Ostberliner Tom Schilling überzeugt als Fabian in jeder Minute. Verletzlich, abgeklärt, mit einer Neugier aufs Leben, gleichzeitig vom Zweifel beherrscht. Ein Melancholiker, desinteressiert an Macht und Geld, daran leidend, nicht anders zu können. Der vielfache Grimmepreisträger Graf und sein Kameramann Hanno Lentz verführen mit unerwarteten Nahaufnahmen und fiebrigen Bildern, die zwischen Stummfilmästhetik, Schnittgewittern, Handkameragewackel und klassischen Dialogszenen wechseln. FABIAN fasziniert mit diesem atemlosem Formalismus, der historische Archivaufnahmen und Split-Screen-Bilder auf schnell geschnittene Szenen mit perfekt bewegter Kamera treffen lässt, dabei gekonnt Kästner-Sätze ins Drehbuch einbaut und kluge Brücken zur Gegenwart schlägt. Voller Energie, mit packender, emotionaler Kraft zeigt der Regisseur den Klassiker der deutschen Literatur als scharfsinnige Avantgarde. Ein großer Wurf.



Friedrichsbau Freiburg
HeuteSaSoMoDiMiDoFr
11:30
 
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