JE SUIS KARL


Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Milan Peschel, Edin Hasanović, Anna Fialová

126 Minuten | Deutschland, Tschechien 2021 | ab 12
5. Woche
Christian Schwochow erzählt eine packende Radikalisierungsgeschichte, die die Fiktion eines beängstigenden Szenarios mit dem Geist einer Realität, vor der man nur allzu gern Augen und Ohren verschließt, auf brisante Weise verknüpft. Dabei unterläuft der Autorenfilmer in seiner intelligenten, hochspannenden Gesellschaftsstudie die bekannten Muster: Keine Islamisten, sondern Deutsche sind in seinem Drama die Täter – ein ambitioniertes Konstrukt, wuchtig gefilmt und gespielt, mit drei glänzend besetzten Hauptrollen!

 

Irgendwo in Berlin. Nicht irgendwann – heute. Ein Paket im Flur. Alex, ein Ehemann und Vater dreier Kinder. Vergisst den Wein im Auto. Wird von einer Bombe aus der Routine gerissen und findet seinen Halt nicht wieder. Maxi, eine selbstbewusste junge Frau, will sich loslösen von den Eltern und auf eigenen Beinen stehen. Hat sich ihr Abnabeln ganz anders vorgestellt, wird wütend und stellt Fragen. Und hat zum ersten mal in ihrem Leben Angst. Karl fängt Maxi auf und bietet Antworten. Resolut, blitzgescheit und verführerisch verfolgt er seinen eigenen Plan. Als Teil einer Bewegung. Heute in Berlin. Morgen in Prag. Bald in Straßburg – in ganz Europa... Schon der Titel deutet den Bezug zu einem der meistzitierten Schlachtrufe der linken Szene jüngerer Vergangenheit an: Je Suis Charlie. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo ersetzten viele Linke und Liberale ihre Porträtfotos auf facebook oder Instagram durch diese Solidaritätsbekundung. Wie leicht solche Bewegungen missbraucht werden können, ist denn auch einer der interessanten inhaltlichen Aspekte von JE SUIS KARL. Auf dieser Ebene wird von einer nur allzu menschlich wirkenden Radikalisierung erzählt, vom vollkommen verständlichen Hass, den Maxi nach einem schrecklichen Verlust entwickelt – genau in diesem Moment ist sie gefundenes Fressen für den Verführer Karl, der sie für seine Pläne einspannen will. Schwochows ebenso erschütternde wie fesselnde Geschichte kommt dabei in einer mitreißenden, wuchtigen Inszenierung daher, die es auch wagt, die Verführungskraft von Gewalt und Straßenkämpfen vielmehr anzudeuten – und zeigt, wie leicht eine grundsätzlich gute Bewegung, die für die „richtige" Sache kämpft, in radikale, gewalttätige Gefilde abdriften kann. Allein der Mut, sich auf diese Art und Weise mit diesem allgegenwärtigen Thema zu beschäftigen, macht Schwochows Film sehr bemerkenswert.



Friedrichsbau Freiburg
HeuteSoMoDiMiDoFrSa
17:0017:00
20:3020:30
 
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